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Warum die Ergster "Limburger" und die Schwerter "Märker" sind

   
 

Vorbemerkungen

Es geht bei der Beantwortung der Frage, ob Limburger oder Märker, um die Zugehörigkeit zu Herrschaftsbereichen des Heilgen Römischen Reiches Deutscher Nation. Wir sprechen also über eine Zeit, die vom Mittelalter bis in die frühe Neuzeit reicht, und die nach den Beschlüssen des Wiener Kongresses mit der Übernahme des Rheinlandes und Westfalens durch Preußen endet.
Um den vom Leser möglicherweise gestellten Fragen nach dem Sinn von historischen Betrachtungen, ob Limburger oder Märker, in heutiger Zeit zu begegnen, nur soviel: Solche historischen Betrachtungen sind durch das Wissen um die Langlebigkeit von kulturell/politischen Prägungen durchaus keine schöngeistigen Spiele.
Wer beispielsweise denkt noch nach, wenn er hört oder spricht: Märkischer Kreis, ElektroMark Märkische Fachhochschule oder Limburger Heimatblätter, Museum für Limburgische Geschichte. Nebenbei gesagt: Es kann in einer so plakative Fragestellung, ob Limburger oder Märker, auch ein ernstes historisches Interesse begründet sein, sei es nun wissenschaftlich oder populär.

Um es zusammenzufassen: Die Antwort auf die Eingangsfrage bezieht sich also auf die Zugehörigkeit von Menschen zur Grafschaft Limburg oder zur Grafschaft Mark und damit auch auf die Gründungsgeschichte beider Grafschaften. Diese wiederum ist, wegen einer blutigen Fehde der herrschenden Geschlechter und wegen deren unbeirrtem Streben nach dem Bischofsstuhl des Erzbistums Köln, spannend und historisch betrachtenswert.

Antwort

Beginnen wir mit dem Jahr 1000 nach Christus. Der deutsche König und Kaiser belehnt das Geschlecht derer von Berghe/Berg, die eine Burg an der mittleren Dhünn besitzen mit Teilen des sogenannten Deutzgaues. Diese Investitur zum königlichen Beamten mit den Lehnspflichten des ritterlichen Kriegsdienstes, der Rechtsprechung und Verwaltung, ist der Beginn der Grafschaft Berg. In der Folge bauen die Grafen in der Nähe ihres Stammsitzes ein weitläufige Burganlage oberhalb der Wupper, das heutige Schloß Burg a.d. Wupper. Ihren alten Besitz an der Dhünn vermachen sie dem Zisterzienserorden. Dies ist die Gründung des Klosters Altenberg. Nach der Erbauung einer ersten kleineren Kirche, der heutigen Markuskapelle, bauen die Mönche eine prächtige gotische Kirche, den Bergischen Dom. Der Dom wird zur Grablege der Grafen und späteren Herzöge von Jülich und Berg. Auf einer Schieferplatte in der Nähe des Grabes des Ersten Grafen von Berg kann man eine Inschrift lesen, die aussagt: ´obiit Everhardus comes Altena´, ´es starb Eberhard Graf von Altena´. Gemeint ist Eberhard, seit 1147 Graf von Berg, Sohn des Engelbert I von Berg, seit 1161 Graf von Altena. Mit dieser Steinschrift wird zum ersten mal ein Graf von Altena dokumentiert: Eberhard I, Graf von Altena, Stammvater derer von Altena. Ganz offensichtlich gründete ein jüngeres Mitglied des Geschlechtes der Grafen von Berg eine neue Grafschaft. Man muß bei dem Geschlecht derer von Berg wissen, dass es sich um ein Geschlecht handelte, das territorial äußerst expansiv verfuhr und strategisch jede Gelegenheit nutzte seinen Herrschaftsraum zu erweitern oder politische Vorteile zu erringen. So lag lange ihr besonderes Streben darin, den Bischofsstuhl von St. Peter in Köln zu besetzen, also Erzbischof des angesehensten und reichsten Bistums nördlich der Alpen zu werden. Die Errichtung der Grafschaft Altena wird zweifellos in Abstimmung mit dem Kölner Erzbischof geschehen sein und sicherlich auch nach einem wohl durchdachten politischen Kalkül. Man geht davon aus, dass Burg Altena, der erste Stammsitz der neuen Grafschaft, eine Wehranlage als Vorläufer hatte, die wohl von den Grafen von Arnsberg stammte.
Die Söhne von Eberhard, Adolf und Friedrich, nahmen nach dem Tod ihres Vaters eine Erb- teilung vor. Beide behielten den Wohnsitz auf Burg Altena bei, teilten aber das Territorium in einen mehr östlichen und in einen mehr west-lichen Teil. Die Stammburg blieb gemeinsames Erbe. Die ältere Linie baute bei Hattingen an der Ruhr eine Burg auf dem Isenberg. Nach dieser Burg nannte sich jetzt diese Grafenlinie Altena-Isenberg. Der letzte Graf dieser Linie war Dietrich von Isenberg, ein ungestümer, streitsüchtiger Mann, der dem Kölner Erzbischof Engelbert (Der Heilige) aus dem Hause Berg, also einem entfernten Vetter erhebliche Probleme bereitete. Meist ging es um die bergischen Vogteirechte über die Abtei Werden und das Stift Essen, die an Dietrich übertragen waren, und die Dietrich permanent zu seinen Gunsten brach. Der Isenberger ließ den Streit eskalieren, was schließlich zur Ermordung Engelberts durch Schergen Dietrichs führte Die jüngere Linie der Grafen von Altena erwarb durch Kauf Oberhof und Burg Mark an der Lippe und gründete eine neue Residenz, Hamm. Mit dem Erwerb von Burg Mark, der Annahme des Burgnamens als Grafentitel, beginnt die Geschichte der Grafen von der Mark.

Die Bluttat des Isenbergers an Erzbischof Engelbert von Berg, führte zu einer beispiellosen Empörung im deutschen Reich. Engelbert war nicht irgendein Bischof. Er war der Reichs- verweser und Berater von Kaiser Friedrich II von Hohenstaufen. Engelbert von Berg war der mächtigste Mann im Reich nach dem Kaiser. Papst und Kaiser gaben dem Nachfolger Engelberts die Vollmacht, Dietrich von Isenberg zu fassen und zum Tode zu verurteilen. Dietrich wurde, nachdem man ihn gefaßt hatte, in Köln verurteilt, auf das Rad geflochten und gevierteilt. Sein gesamter gräflicher Besitz wurde konfisziert.

Der wesentliche Teil der Grafschaft Altena-Isenberg fiel an die Grafschaft Mark, also an die jüngere Linie derer von Altena. Dank eines diplomatisch geschickten Verhaltens von Graf Adolf von der Mark, indem er die Rechtsposition des ermordeten Erzbischofs gegen seinen Vetter Dietrich von Isenberg annahm, rettet er die mögliche Konfiszierung des gesamten Terri toriums, auch seines Hauses. Es half ihm dabei auch die Tatsache, dass er den Grafentitel von der Mark angenommen hatte. Der Name Altena wurde für zukünftige Titel ausgelöscht. Selbst als der Sohn Friedrichs von Isenberg, Dietrich, Erbansprüche auf die ehemalige Grafschaft Altena-Isenberg anmeldete, konnte Adolf die Ansprüche Dietrichs auf ein Minimum beschränken.
Unter dem Einfluß mächtiger Verwandter, besonders des Herzogs von Limburg (Limburg an der mittleren Maas, westlich Aachens, damals Herzogtum des deutschen Reiches), eines Onkels von Dietrich und Bruder seiner Mutter, wurde Dietrich ein kleines Territorium an der unteren Lenne zugesprochen. Dietrich nannte dieses Territorium, wohl wegen der Einflußnahme seines Onkels und wegen des Mädchennamens seiner Mutter, Grafschaft Limburg. Er erbaute auf einem Bergrücken über der Lenne Burg Limburg, Vorgängerbau des heutigen Schlosses Hohenlimburg. Zur Grafschaft Limburg gehörten die Siedlungen: Limburg/Hohenlimburg, Berchum, Elsey, Ergste, Hennen, Letmathe und Oestrich. Somit ist nun die Beantwortung der Eingangsfrage: ´Warum sind Ergster Limburger und Schwerter Märker´ gegeben. Bei Gründung der Grafschaft Limburg fiel die Siedlung Ergste um 1240 an die Grafschaft Limburg. Ergste war die nordwestlichste Siedlung der Grafschaft. Der Elsebach wurde für diesen Bereich der Siedlung Ergste Grenzfluß gegenüber Mark Das Geschlecht der Grafen von Limburg erlosch 1511. Limburg wurde an das Haus der Grafen von Neuenahr vererbt. Nur kurz währte die Herrschaft dieses Grafengeschlechts. Der kinderlose Graf Adolf von Neuenahr vererbte 1592 Limburg an das Haus Bentheim. Im aus- gehenden 16. Jahrhundert entwickelte sich Bentheim zu einer bedeutenden Landesherrschaft im Deutschen Reich. Sie umfaßte die Grafschaften Bentheim, Tecklenburg, Steinfurt, Gronau, Limburg und die Herrschaft Rheda.
Das Haus Bentheim, später Bentheim-Tecklenburg, verlor seine politische Macht mit der Okkupation Westfalens durch Napoleon. Auch nachdem Ende der Herrschaft Napoleons wurde der Graf von Bentheim-Tecklenburg nicht mehr in seine Regierungsrechte eingesetzt und die Grafschaft 1815, nach dem Wiener Kongreß, endgültig in die preußische Provinz Westfalen übergeführt. Das Geschlecht derer von Bentheim-Tecklenburg wurde 1817 in den erblichen preußischen Fürstenstand erhoben. Von den landesherrlichen Rechten und Aufgaben blieben dem Fürstenhaus viele erhalten, wie die niedere Gerichtsbarkeit und die Ordnungs- und Polizeirechte. Noch heute sind dem Haus Bentheim Tecklenburg die fürstlichen Patronate im evangelischen Kirchenkreis Iserlohn geblieben.
Seit Gründung der Grafschaft 1240 war Ergste über 575 Jahre limburgisch und ist dabei nicht schlecht gefahren. So blieb Ergste eine frühzeitige Einbeziehung in den Herrschaftsbereich von Brandenburg-Preußen, wie im Falle von Schwerte, für lange Zeit erspart. Längst bevor die heutige Letmatherstraße gebaut wurde, gab es zwei wichtige Verkehrswege von Ergste aus in die Grafschaft hinein. Einmal war es der Weg in die Residenz Lim- burg/Hohenlimburg. Diesen Weg gingen die Ergster, wenn sie zum Gericht oder zum Notar gehen mußten. Der Weg führte vom Wietloh aufwärts nach Berchum, von dort zur Lenne abwärts und dann der Lenne entlang über Elsey nach Limburg/Hohenlimburg. Der andere Weg führte von der Elsebrücke aufwärts über Steinberg, Semberg nach Bürenbruch, von dort über Hermelingsen nach Grürmannsheide und weiter nach Oestrich und Richtung Altena. Dieser Weg war wohl der Weg zu den frühen Zentren der Drahtzieher und Kettenschmiede. Diesen Weg werden auch die Handelsherren von Schwerte gegangen oder gefahren sein, um ihre weitläufigen Geschäfte mit Metallprodukten zu bedienen. Die Örtlichkeit Elsebrücke wird so noch in den Generalstabsaufnahmen des preußischen Generalstabs von 1890 genannt. Diesen Weg nennt man heute auf Ergster Gelände Bürenbrucher Weg. Er führte von der Brücke über den Elsebach durch das Gelände des heutigen Stahlwerks aufwärts. Die Siedlung und spätere Stadt Schwerte behielt ihren territorialen Status eigentlich bei. Sie wechselte aus dem Territorium der älteren Linie der Grafen von Altena in den der jüngeren Linie und damit in jenen großen Grafschaftsverbund, der sich den Namen Grafschaft von der Mark gab. Die Schwerter wurden Märker!
Das Herrschaftshaus derer von der Mark entwickelte, man möchte sagen wie für dieses Geschlecht typisch, eine durch Feder und Schwert gekennzeichnete Politik der territorialen Ausdehnung und Machtfestigung. So wurde der Jahrhunderte währende Streit mit dem Erzbistum Köln weitergeführt, wurden Reichshöfe wie Westhofen okkupiert, wurde die freie Reichsstadt Dortmund bedrängt und mit Krieg überzogen, wurden Burgen gebaut, Burgen konkurrierender Nachbarn zerstört, wurde Arnsberg verwüstet, wurde versucht die Grafschaft Arnsberg in Besitz zu bekommen. Im Jahre 1368 wurde Adolf von der Mark durch Erbfall Graf von Kleve. Das Haus Kleve-Mark war geboren. Diesem Geschlecht verlieh Kaiser Sigismund 1417, während des Konzils von Konstanz, die Herzogswürde. Die Erhebung in den Herzogsstand entsprach der politischen und wirtschaftlichen Bedeutung dieses Staates an Rhein, Ruhr, Lippe und Lenne. Im Jahr 1510 heiratete Jungherzog Johann die Erbprinzessin Maria von Jülich und Berg. Drei Herzogtümer und zwei Grafschaften waren damit vereinigt. Düsseldorf wurde Landeshauptstadt.
Als 1609 Herzog Johann Wilhelm in Düsseldorf kinderlos starb, endete nach über 500 Jahren die Linie der Landesherren aus dem Geschlecht Altena-Mark. In den heftigen Erbauseinan dersetzungen einigte man sich 1614 darauf, dass die Herrschaftsgebiete Kleve, Mark und Ravensberg an das Haus Brandenburg und die Herrschaftsgebiete Jülisch und Berg an das Haus Pfalz-Neuburg fielen. Für die Schwerter bedeutete dies, sie wurden brandenburgisch und vier Jahre später, mit der Übernahme des Namens des Herzogtums Preußen durch die Hohenzollern, preußisch. Ob sich preußisches Denken, preußischer Geist und preußische Tugenden prägend bei den Schwertern ausgebildet haben, ist noch nie untersucht worden. Ob Schwerter, wie man vermuten könnte, anders sind als Ergster ist fraglich.
Mit der Niederlage Napoleons und der anschließenden territorialen Neuordnung Europas beim Wiener Kongreß, wurde auch Limburg preußisch. Der Vorgang war wie eine Wieder- vereinigung von Menschen, die Jahrhunderte in sehr unterschiedlichen Herrschaftsräumen leben mußten und sich doch so nahe waren.

Quellen:
1.Titelbild
Friedhelm Siegismund, Hohenlimburg, beschnitten und betitelt

2.Topographie
nach Ernst Dossmann, Auf den Spuren der Grafen von der Mark,modifiziert,ergänzt und weiterführend betitelt

 

 


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